Beate, Berat, Bösewichte

Der Jahrhundertprozess

Der NSU-Prozess vor dem Münchner Landgericht dauerte fünf Jahre, zu vergleichen nur mit den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen, den Auschwitzprozessen und den RAF-Verfahren. Was davon sollte man wissen? Alles!

Annette Ramelsberger und Wiebke Ramm · Süddeutsche Zeitung · 30 Minuten


Berat fährt nach Auschwitz

Berats Eltern sind Türken, er ist in Deutschland geboren. Er findet es normal, Mitschüler als „Scheißjuden“ zu beschimpfen und mit dem Holocaust hat er nichts zu tun, glaubt er. Dann fährt er nach Auschwitz und beginnt zu grübeln.

Hannes Schrader · Zeit Online · 15 Minuten

 

Nur 76 Sekunden

Der Litauer Antanas O. war sein Leben lang Busfahrer. Er ist sechzig Jahre alt, als er seine Stelle verliert, dann die Hoffnung und schließlich auch noch seine Frau. Dann fragt ihn ein Fremder, ob er für ihn eine Bank ihn Deutschland ausrauben könne. Antanas sagt Ja.

Marc Bädorf · FAS · 20 Minuten


Satz der Woche

»Auch was ewig währt, muss irgendwann einmal beginnen. Das ist beim Universum nicht anders als bei der ewigen Liebe, nur dass man bei der Liebe nie mit Sicherheit weiß, ob das nun gerade der Urknall oder wieder nur Verknalltheit ist.«

Maren Keller, Der Spiegel


Meine Lieblingsreportagen

Britta Stuff, Jahrgang 1979, lebt in Berlin und ist Redakteurin im Hauptstadtbüro der ZEIT.

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Die schönste Ich-Geschichte:

Bei Texten von Gieselmann möchte man beinah jeden Satz einrahmen. In diesem über Schüchternheit besonders die beiden letzten: „ Nach fast vier Jahrzehnten Erfahrung in der Schüchternheitsbranche kann ich mit einiger Sicherheit sagen: Ich bin in mich selbst verliebt. Aber das beruht leider nicht auf Gegenseitigkeit.“ Ich habe einen Freund, der schwört, dass er sofort aufhört Fußballfan zu sein, wenn Schalke nur noch ein Mal Meister wird. Ich schwöre: Wenn ich einmal so schön über mich selbst schreiben kann wie Gieselmann, setze ich mich zur Ruhe.

Mein Leben als Igel – Dirk Gieselmann – DIE ZEIT

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Der schönste Nachruf:

In „Sieht mich jemand?“ erzählt Niethammer die Geschichte eines Mannes, den sie über eine Ebay-Kleinanzeige kennengelernt hat. Dose, der zu Tieren einen Draht hat, sich aber mit Menschen schwer tut, ist schon lange tot, als sie sie beschließt über ihn zu schreiben. Man mag ihn nicht in jedem Moment des Textes und doch ist man am Ende tief betrübt, dass er nicht mehr da ist. Auch weil Niethammer so zärtlich über ihn schreibt, dass man beim Lesen fast Angst bekommt, den Text kaputt zu machen, so schön ist er.

Sieht mich jemand? –  Lena Niethammer – TAGESSPIEGEL

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Die schönste Reportage:

Vier Rentner treffen sich seit acht Jahren jeden Tag bei Ikea. Sie brauchen keine Möbel, keine Teller, keine Kissen, sie wollen dort frühstücken. Sie sitzen jeden Tag zwischen Menschen, die ihr Leben neu gestalten wollen – und wollen selbst eigentlich nichts, außer zusammen essen und danach nach Hause gehen. Spoerr beobachtet sie dabei und schreibt einem Text, der einem das Gefühl gibt, man müsse nie wieder einen anderen Text lesen, weil man jetzt alles Wichtige verstanden hat.

Vier Freunde – Kathrin Spoerr – DIE WELT