Wochenauswahl 15.11.

»Der Geruch von Moschus«

Joy Milne liebte immer den männlichen Geruch ihres Mannes. Doch eines Tages roch sie eine neue, saure Note. Was sie damals nicht wusste: Dieser Geruch war Parkinson, Milne kann die Krankheit riechen. Nun hilft sie der Medizin – mit ihrer Nase. 

Timofey Neshitov (Text) und Daniel Etter (Fotos) · Der Spiegel (€) · 25 Minuten 

Alternativ bei Blendle lesen

In der Schwebe

Von Fußballern wird verlangt, dass sie wie Gladiatoren auftreten. Immer strahlend, immer stark. Der Selbstmord von Robert Enke bewies, dass in den Trikots auch verwundbare Menschen stecken. Trotzdem bleibt Depression im Profisport ein Tabu.

Holger Gertz · Süddeutsche Zeitung (€) · 10 Minuten

Alternativ bei Blendle lesen

Ich habe 24 Stunden im Frankfurter Bahnhofsviertel verbracht

Drogen, Gewalt, Prostitution: Das Frankfurter Bahnhofsviertel hat seinen Ruf weg. Gleichzeitig entstehen hier hippe Bars für die Yuppies aus den Banken. Doch was die wild und verrucht finden, bleibt für die anderen das tägliche Elend im Schatten der Wolkenkratzer.

Florentin Schumacher · Vice · 15 Minuten

 

Satz der Woche

»Die Nacht des 9. November 1989 habe ich abwechselnd schlafend und schreiend verbracht. Ich war ein Säugling und erst seit sechs Monaten auf der Welt. Von der ich vielleicht nicht viel gesehen hätte, hätte die Geschichte nicht ihren bekannten Lauf genommen.«

Johannes Nichelmann in der „FAS“ 

Unsere Reportagekritik kommt in dieser Woche von Ariel Hauptmeier. Er leitet die Reportageschule in Reutlingen und ist Mitgründer unseres Partners: dem Reporter-Forum.

Minuspunkte

  • Ich-Geschichten, bei denen das „Ich“ kaschiert, wie faul die Autorin recherchiert hat.
  • Reportagen, bei denen man nach 3 Absätzen weiß, wie sie enden werden.
  • Eine Sprache so dürr, dass es raschelt, zu lang die Wörter, zu gleichförmig die Sätze, ohne Beat, ohne Rhythmus.
  • Zitate, die keine sind, sondern Antworten auf Fragen.
  • Beschreibungen, die an Steckbriefe erinnern. Sätze, die mit „Es ist“ beginnen.

Pluspunkte

  • Reportagen, bei denen im ersten Absatz eine Frage gestellt wird, die im letzten Satz beantwortet wird.
  • Die berühren und klug machen.
  • Die Bewegung und Handlung sind und so fast ohne Beschreibung auskommen.
  • Die literarisch versiert sind und die Leser hineinbeamen ins Geschehen, mithilfe von Details und Dialogen.
  • Die wissen, was ein “Simile” ist – ein einziges, irres Bild, das einen Text retten kann: Er war so unauffällig wie ein Skorpion auf einer Sachertorte.