Aufbrechen, abstürzen, angeben

Fünf Brüder

Die Díaz 5, Brüder, harmlose Jungs, leben ein gutes Leben. Bis eine Straßengang den Jüngsten entführt, Mamas Liebling. Als er frei kommt, fliehen die Brüder, sie suchen die Hoffnung in Amerika. Finden werden sie sie nicht.

Jan Christoph Wiechmann · Stern · 60 Minuten

 

“Wenn ich laufen könnte, wär dann alles geiler?”

Bei 1,7 Promille denkt Tisi, er muss von dieser Brücke springen. In den Fluß und nur zum Spaß. Er schlägt unten auf und spürt seine Beine nicht mehr. Seitdem lebt ein Leben im Konjunktiv: Was wäre, wenn ich nicht gesprungen wäre?

Caroline Wiemann · Zeit Campus · 15 Minuten

 

Posen und Posten

Viele reiche, junge Albaner protzen: Champagner im Cabrio, Vodka in der VIP-Lounge. Alles dokumentieren sie auf Instagram. Eine Geschichte über Show und Schein.

Nele Justus · JWD · 15 Minuten

 


Satz der Woche

»Was mir zuerst an ihm auffiel, war sein Mund. Er war zu schön, um halten zu können, was er versprach.«

Traute Lafrenz im Gespräch mit Claas Relotius im »Spiegel«


Meine Lieblingsreportagen  

Karl Grünberg, freier Journalist, schreibt Nachrufe und lange Reportagen über harte Themen u.a. für den Tagesspiegel. Seine Lieblingsspielwiese ist Berlin, da kommt er her, da kennt er sich aus. Gelernt an der Zeitenspiegel Reportagenschule

 

Hier verrät er uns seine Favoriten.

Geschichten, von denen ich  etwas lernen kann, über Aufbau, über Spannung, über clevere Sätze, über die Heldenreise, lese ich am liebsten.

Emilia Smechowski: Ich bin wer, den du nicht siehst, taz am Wochenende

Ich finde überhaupt nichts dabei, eine Ich-Geschichte zu schreiben und zu lesen, wenn sie gut ist und wirklich was zu sagen hat. Diese Ich-Lebensgeschichte hat es. Sie ist witzig, spannend und verdammt toll geschrieben und sie zeigt sie eine völlig andere Welt. Es ist die Welt der Polen in Deutschland, die Emilia Smechowski in einer Mischung aus Essay und Reportage so echt, so anfassbar darstellt. Sie, die unsichtbaren Migranten, die weder zu Deutschland noch zu Polen gehören, aber leisten, acken und schuften. Wenn man einen Text dazu lesen will, dann dieses. Hut ab.

 

Wolfgang Bauer: Familie Breuninger hört auf, EDITION

Wenn ich so etwas wie einen Reportagen-Held habe, ist das Wolfgang Bauer. Tolle Schreibe, wichtige Themen und er traut sich dahin, wo niemand mehr hin will. Jede seiner Geschichten ist ein Volltreffer. Geht man sie systematisch durch, kann man viel über Aufbau, über Spannungsbögen und über Heldenreisen lernen. Die erste Reportage, die ich von ihm gelesen habe, spielt nicht in Syrien oder in Somalia, nicht in einem Flüchtlingsboot und auch nicht im Tunnel unterm Gaza-Streifen. Nein, sie spielt auf einem Milchhof in Deutschland und ist nicht weniger spannend.

 

Friederike Hasel: »Komm rein und lern Deutsch«, Tagesspiegel

In dieser Geschichte passiert eigentlich nichts und sie ist trotzdem genial. Ein Lehrer, ein Klassenraum, viele Schüler und der Deutsch-Unterricht. Mehr nicht. Die Autorin Friederike Hasel schafft Lust auf Lesen alleine durch ihre genaue Beobachtung und durch die exakte Zeichnung des Charakters, der durch Geschichte trägt. Gute Charakterinszenierung liest man so selten, dabei ist sie so wichtig.