Heimat, Horst, Hochgefühl

Erzherzog der Herzen

Warum füllt Austro-Popstar Andreas Gabalier mit seinem „Volks-Rock’n’Roll“ Stadien? Vielleicht, weil in seinen Texten alles schön einfach ist: Da haben Männer Muskeln und stehen auf Frauen, da trotzt ein „eisernes Gipfelkreuz“ dem Sturm – und da ist Heimat die Antwort auf alle Fragen. Porträt eines Sängers – und eines Gesellschaftsphänomens.

Arno Frank · Der Spiegel (€) · 15 Minuten

Flüchtlinge? Nee, nie gesehen

Horst Seehofer will seine Grenzen dichtmachen. Doch ein Besuch an der deutsch-österreichischen Grenze in Bayern zeigt: Da kommt gar keiner mehr.

Laura Meschede · taz · 10 Minuten

Sucht kommt von Suche

Wie fühlt sich ein Goldrausch an? Dieser JWD-Reporter ist nach Italien gefahren, um sich Schüssel für Schüssel um den Verstand zu schürfen. Am Ende reichen die Krümel nicht mal für ein Souvenir, aber die Erkenntnis fürs ganze Leben.

Frederik Seeler · JWD · 15 Minuten


Satz der Woche

»Es stimmt ja nicht, dass man heute nicht mehr sagen darf, was man politisch denkt. Die berühmten Meinungskorridore, sie sind breit wie eh und je. Aber die Verhaltenskorridore – die sind enger.«

Malte Henk, Die Zeit

Woran man gute
Reportagen erkennt

Minuspunkt

Wenn ReporterInnen so tun, als wären sie gar nicht da. Ichhabe nichts gegen das Ich. Nicht jede Reportage braucht ein Ich. Aber ich würde sagen, ein Ichist immer besser und sowieso ehrlicher als ein man oder noch schlimmer: ein „der Beobachter“ oder ein „wer soundso begleitet, merkt rasch, dass soundso“. Was ich meine: Ichselbst komme mir als Reporter zunehmend bescheuert dabei vor, in das Leben von Menschen reinzuschneien und ihnen in möglichst kurzer Zeit möglichst nahe zu kommen, was ja oft nur geht, wenn man selbst aus sich rauskommt – nur um dann vor dem Word-Dokument maximale Distanz zu simulieren.

Zu oft gehen wir mitten rein und tun dann so, als würden wir drüber schweben. Wir schreiben, jemand fahre irgendwo hin und verschweigen, dass wir auf dem Beifahrersitz sitzen und der Protagonist an diesem Tag mit uns diese Strecke fährt, weil wir nur da Zeit für ihn hatten. Wir schreiben, jemand lache „sein heiseres Lachen“ als würden wir das ein Leben lang kennen – und lassen weg, dass wir den Witz erzählt haben. Manchmal macht mir der allwissende, alles einordnende, jeden bewertende, aber völlig unbeteiligte, unangreifbare, unfassbare Reporter mehr Angst als ein Ich.

Bitte: Nicht jede Reportage soll sich mit Transparenz und Fußnoten den Zauber nehmen, nicht jeder Reporter soll zum Dazwischenquatscher werden. Aber es nervt mich, wenn Autoren sich ihrer Rolle nicht bewusst sind oder ihre Rolle kunstvoll kaschieren. Das ist doch das Tolle am Reportersein: Es passiert nicht nur etwas, nein, man ist dabei, wenn etwas passiert. (Wobei ich gerne viel häufiger Reportagen lesen – und schreiben – würde, in denen genau jetzt gerade etwas geschieht und nicht nur nacherzählt, rekonstruiert oder Leuten in den Kopf geschaut wird, aber das wäre ein zweiter Minuspunkt…)

Pluspunkt

Wenn ReporterInnen so richtig gut zuhören. Ich liebe es, wenn ich die Leute beim Lesen sprechen höre. Mit oder ohne Anführungszeichen. Wenn nicht nur was gesagt wird, sondern das Reden der Leute und die Art und Weise, wie sie reden, durch den ganzen Text hallt. Und ich einen Ohrwurm davon bekomme, selbst wenn ich die Stimmen der Leute noch nie gehört habe. Aber ich habe einen Text von jemandem gelesen, der zugehört und es richtig ernst gemeint hat – und vielleicht stundenlange Aufnahmen abgehört hat, nicht des Inhalts wegen, sondern der Sprache wegen. Hier mal die zwei erstbesten besten Beispiele, die mir einfallen: Jimmy Hartwig und – Klassiker – Wowi. Denn so geht es ja auch: Jemanden, den man schon oft hat reden hören, reden lassen und ihn wieder erkennen.

In dieser Woche ausgesucht von Patrick Bauer, Reporter beim SZ-Magazin.