Henry Nonsens: Hemingway

 

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Irgendwas ist da schief gegangen: Hans-Günter Fell ist beim Lesen eingepennt. Unser Juror hatte aber auch viel zu tun, er hat vor ein paar Tagen erst einen Biergarten eröffnet. Außerdem leitet er die „Hemingway Bar“. Vor 18 Jahren übernahm er sie von einem Freund. Der war mal auf Kuba gewesen. Begeistert kehrte er zurück und eröffnete das „Hemingway“, eine kubanische Bar im Havanna Bayerns: Ingolstadt. Als zweiter Bar-Eigentümer ist Fell ist also eine Art Hemingway-Kopie, wie FAS-Autor Oliver Maria Schmitt in seinem nominierten Text „Nenn mich Papa!“. Wenigstens den hat unser Experte glücklicherweise lesen können:

Schön, dass es doch noch irgendwie geklappt hat, Herr Fell!

Sie wollen wissen, was ich von dem Hemingway-Text halte, richtig?

Aber bitte!

Nicht viel.

Ja? Warum denn?

Vieles wiederholt sich. Irgendwie geht’s da um diesen Hemingway-Contest im „Sloppy Joe’s“ auf Key West. Erst zieht der Autor über alle her, dann über sich selbst, dann über Katzen? Also ich weiß nicht. Es hat jedenfalls keinen Spaß gemacht, das zu lesen.

Der Text ist Ihnen zu chaotisch?

Zu chaotisch! Und zu negativ! Das kann man netter erzählen. Es kommt so rüber, als würde er überhaupt nichts davon halten.

Vielleicht war’s aber auch einfach nicht so toll.

Ich war selbst mal im „Sloppy Joe’s“. So gammlig, wie der Autor ihn beschrieben hat, ist der Laden überhaupt nicht. Alt eben. Und es gibt nur Plastikbecher. Aber da muss man drüber stehen. Ich hatte Spaß dort!

Unsere nominierten Reportagen fanden Sie ja eher zum Einschlafen. Was lesen Sie denn gerne?

Ich habe leider viel zu wenig Zeit, um irgendetwas zu lesen, ich stehe eigentlich jeden Abend an der Bar. Zweimal die Woche eine Tageszeitung, das war’s. Wirklich regelmäßig lese ich nur die Fernsehzeitung.

Und Hemingway? Haben Sie von dem mal was gelesen?

„Der alte Mann und das Meer“, in der Schule. Das fand ich sehr gut!

Der gute Hemingway hat sich bekanntlich gerne mal einen hinter den Bart gegossen. Bei Ihnen hätte er eine große Auswahl.

Stimmt! Wir sind die Bar mit dem größten Cocktailangebot weltweit. Mit 1555 Cocktails halten wir den Guinness-Rekord.

Welchen davon würden Sie denn für Hemingway mixen, wenn er zu Ihnen in die Bar käme?

Einen Daiquiri. Den hat er auf Kuba immer getrunken. Daiquiri besteht nur aus Rum, Zucker und Zitronen- oder Limettensaft. Aber mit einem Daiquiri kann man den Barkeeper testen. Nur ein guter beherrscht das richtige Verhältnis der Zutaten.

Interview: Matthias Bolsinger, Margarethe Gallersdörfer

 

Hans-Günter Fells Rangliste:

1

XXX

2

XXX

3

XXX

4

XXX

5

Nenn mich Papa!

Von Oliver Maria Schmitt · FAS / Rowohlt Berlin