Henry Nonsens: Stefan Aust

 

Kai Diekmann Ines Pohlhenry-start

Kurz nach Feierabend  betritt Stefan Aust zum ersten Mal das neue Spiegel-Hochhaus in der Hamburg Hafencity. Grußlos schlurft er an der Pförtnerin vorbei. Er blickt nach oben und sieht viel Glas, viel Metall und viel Luft. Das ganze erinnert eher an ein Hedgefonds-Headquarter als an eine Redaktion.

Er fährt mit dem Fahrstuhl nach oben, fünfter Stock, ins Spiegel-Café und lässt sich in einen Sessel fallen. Das Café sieht so aus wie die Kantine im alten Spiegel-Haus. Eine Reminiszenz an die guten alten Cognacschwenker-Zeiten. Aust rutscht im Sessel hin und her. Er wirkt nicht so, als würde er sich hier besonders wohl fühlen.

Stefan Aust ist App-Programmierer. Er hat nur noch eine gedruckte Zeitung abonniert: c’t, das Magazin für Computertechnik. Den Spiegel liest er gar nicht. Spiegel Online nur ab und an. Also, wenn er nichts zu tun hat. Am liebsten liest er den Postillon, das seien noch ehrliche Nachrichten, findet er.

Stefan Aust schreibt auch selbst, meistens Tutorials auf seinem Blog, zum Beispiel: «Wie baue ich einen Grafikeditor – Eine Anleitung in 20 Schritten». Aust sagt, er sei ein Nerd. Was das denn sei? «Jemand mit sozialen Defiziten.» Kann sein, dass Stefan Aust kokettiert. Kann auch sein, dass es stimmt. So genau weiss man das bei Stefan Aust ja nie.

Welcher Text hat Ihnen am besten gefallen, Herr Aust?

Aust überlegt nicht lange. Sein Favorit ist Max Küng, der versucht, ein geheimes japanisches Restaurant aufzusuchen. «Mir gefällt, wie er verzweifelt, weil sein Plan nicht aufgeht; und wie er andererseits nichts tut, damit er aufgehen könnte.» Aust findet das lustig. Wenn schon Nerd, dann einer mit Humor.

Stefan Aust schaut gern «TableTop», eine Show auf Youtube, moderiert von Wil Wheaton, den man vielleicht vom Raumschiff Enterprise kennt. Wheaton hat da früher den Wesley Crusher gespielt, diesen kleinen genialen Klugscheißer. Bei «Table Top» spielt Wheaton mit Freunden Brettspiele. Aust sagt, er mag es ihnen dabei zuzuschauen. Sie hätten viel Spaß. Er selber würde allerdings nie Brettspiele spielen. Die Simulation ist Aust lieber als das wahre Leben – und vor allem ist sie ungefährlicher. Aust ist 45 Jahre alt, ledig, er lebt in Kiel, weil dort seine Eltern wohnen.

Auf Platz 2 setzt er den Text über den Alterssimulationsanzug. Er habe er ihn nicht gleich beim ersten Mal durchgelesen, sagt er. Aber beim zweiten Mal habe er ihm doch sehr gut gefallen. Auch wenn der Text von allen am ernsten ist. Platz 3 geht an die Geschichte über die Nudisten-Kreuzfahrt. «Eine unterhaltsame Reportage, vielleicht ein bisschen zu lang.»

Das war der freundliche Aust. Der Nerd mit Humor. Stefan Aust kann aber auch anders. Ganz schlimm sei der Porno-Dreh gewesen: «Ein plumbes Thema und ein plumber Text», sagt er. Möglicherweise sei das ja Absicht des Autors gewesen, wenn ja, dann war es ein Geniestreich. «Wobei eigentlich, nee doch nicht…»

Wenn man jetzt die Augen schließt und ganz viel Phantasie hat, klingt Stefan Aust fast ein bisschen wie Stefan Aust.

Dann zum Knasturlaub. Aus Aust spricht die Enttäuschung. Die Überschrift und der Vorspann hätten ihm so gut gefallen. «Aber dann plätschert es nur», sagt er. «Der Text könnte so auch in der DB-Mobil stehen!» Wäre der Satz nicht im Spiegel-Café, sondern in einem der Spiegel-Büros gefallen, würde jetzt ein Redakteur um seinen Job bangen.

Dann reden wir über Anderes und landen irgendwann bei Stefan Austs prominenten Namensvetter. Wie alt ist dieser eigentlich mittlerweile? Wir wissen es beide nicht. Stefan Aust kramt sein iPhone aus der Hosentasche.

«Siri, wie alt ist Stefan Aust?»

Siri sagt: «Ich weiß es nicht.»

Stefan Aust zuckt die Schultern. «Muss wohl daran liegen, dass sie uns verwechselt hat. Siri dachte, ich meine mich.» Also, den wahren Stefan Aust.

Text: Björn Stephan

 

Stefan Aust Rangliste:

1

Jenseits der Sterne

Von Max Küng · SZ-Magazin Stil + Das Magazin

2

Gute Reise

Fabian Dietrich · Dummy Magazin

3

Nackt im Wind

Philipp Schwenke im SZ-Magazin

4

Lieber in den Knast

Von Philipp Maußhardt · Stern + NZZ am Sonntag

5

Als Statist beim Sex-Dreh

Maximilian Reich · Playboy/Focus Online