Henry Nonsens: Werner Lorant

 

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Er kann einfach nicht verlieren, genau wie Dirk Gieselmanns Angstgegner in seiner nominierten Reportage „Blut, Schweiß und Stefan“. Stefan kann nicht verlieren, weil Stefan einfach viel zu gut ist. Werner Lorant hingegen kann nicht verlieren, weil ihn das einfach viel zu wütend macht. Der Kettenraucher und Schleifer alter Schule („Ich wechsle nur aus, wenn sich einer ein Bein bricht“) war früher Trainerlegende in der Fußball-Bundesliga. Spitzname: Werner Beinhart. Als dann im Fußball plötzlich Mentalcoaches und falsche Neuner auftauchten und es für einen wie ihn keinen Platz mehr gab, zog es Lorant hinaus in die Welt. Er trainierte in Indien, in der Türkei und in China, zuletzt einen Club namens Liaoning Hongyun.

Doch jetzt ist er wieder da. Wer ihn erreichen will, der ruft am besten einen Campingplatz in Bayern an. Waging am See, knapp 6000 Einwohner. Lorant wohnt dort mit seiner Freundin – in einem Haus, wie er betont – und hat vor kurzem den Bezirksligisten TSV Waging vor dem sicheren Abstieg gerettet.

Er kann es eben immer noch.

Und dann haben wir ihn am Hörer. Marlborostimme, leicht genervt. „Nonsens Preis? Wie bitte?“
Kurzes Hin und her, dann eine klare Ansage: „Das mache ich schriftlich“. Einen Moment lang wollen wir widersprechen. Doch dann fallen uns all die Pechvögel ein, die es vor uns gewagt haben, Lorant auf die Nerven zu gehen. Wir fügen uns. Werner Beinhart ist kein Mann, dem man widerspricht…

Ihr Auftritt, Werner Lorant! Seien Sie gnädig!

Blut, Schweiß und Stefan

Dieser Text passt für mich eher in ein Tagebuch. Es sind Erinnerungen, die man vielleicht noch mit Menschen verbal bei einem „Klassentreffen“ teilen kann. Vielleicht hören einige Enkel noch zu, wenn Opa Gefühle und Ängste seiner Jugend erklärt. Als Außenstehender ermüdet mich der Text schon nach drei Sätzen. Gähn. Solche Eindrücke passieren überall tagtäglich. Was will der Autor damit ausdrücken? Seine Angst, die er immer noch hat? Ist er denn nicht ein bisschen erwachsener und gelassener geworden? Mißerfolg und Erfolg – beides gehört zum Leben. Aber Angst davor haben ist doch völlig überflüssig. Warum?
Der Leser wird weder zum Schmunzeln, noch zum Nachdenken verführt und ein „Aha-Effekt“ fehlt sowieso.“
Fazit: Langweilig

Zwei Arschgeigen in Japan

Die Überschrift paßt genau zum Inhalt des Textes. Hoffentlich bleibt es bei den beiden Arschgeigen und es werden nicht noch mehr.
Wahrscheinlich gibt es sogar den einen oder anderen Nachahmer, der so „lustige“ Erlebnisse auch von sich erzählen will. Ein Armutszeugnis, das keiner braucht. Empfehlung: Die Arschgeigen sollten zu Hause bleiben, das Bier selbst bezahlen und gegenseitig damit prahlen, wie viel sie davon trinken können.
Fazit: Dumm und ignorant

Schmerz-Dame

Dieser Artikel löst bei mir ein etwas flaues Gefühl in der Magengegend aus. Als Mann ist es für mich etwas beschämend, wenn Geschlechtsgenossen eine solche abartige Neigung haben. Aber sei es drum – jedem das Seine. Bewundern muss ich die Schmerz-Dame, die aus einer Not heraus in diese Schiene schlitterte. Schämen braucht sie sich nicht dafür. Für die Ausübung von „anständigen“ Dingen im Leben ist man für die Gesellschaft irgendwann zu alt, außer in der Politik und im Sexgeschäft.
Fazit: Hart treffend – sollten nur Quereinsteiger oder Gleichgesinnte lesen

„Ich bin Tatunca. Punkt.“

Ich liebe Abenteuer. Und es gefällt mir, wenn Menschen den Mut haben, der Gesellschaft den Rücken zu kehren und ihr Ding durchziehen, an einem außergewöhnlichen Ort, mit einer ungewöhnlichen Beschäftigung oder einer interessanten Geschichte. Davon gibt es im Verborgenen sicher noch so einige, die es wert sind, darüber zu berichten. Allerdings gehört Hans oder „Tatunca“ für mich sicher nicht dazu. Er wirkt für mich, als suche er nach der ganz großen Anerkennung und verherrliche sich selbst. Er sieht sich selbst als ein Held, warum auch immer. In Deutschland als Kind sicher gedemütigt und missachtet, als Erwachsener ein Versager und Feigling. Er sucht sich eine neue Welt, dort wo man seinen Lügen und Fantasien glaubt, und auch wenn sie noch so absurd sind. Ähnlich wie ein Sektenführer, und da folgen auch so viele Blinde. Aber besser so für ihn –in Deutschland wäre er längst in der Psychatrie oder sogar im Gefängnis gelandet. Von den Autoren zu hoch geschaukelt und völlig überbewertet.
Fazit: Uninteressant

Nenn mich Papa

Auf den ersten Blick bei diesem Artikel dachte ich, es ginge um einen Betriebsausflug der schönsten und besten Nikoläuse aus Lappland, die zum ersten Mal den Süden genießen durften, ohne dabei „dahin zu schmelzen“. Dabei ging es „nur“ um ein Treffen von lebenden Hemingways. Wer kommt dem Original optisch am besten? Zum Glück ging es nur um die Optik und nicht um den Intellekt, da hätte es sicher nur Verlierer gegeben. Wie würde Ernest wohl darüber denken? Warum wollen manche Menschen immer irgendjemanden ähnlich sehen oder sein. Haben diese keine eigene Persönlichkeit, auf die sie stolz sein können? Wenn der Autor schon mitmachen muss, aus welchen Gründen auch immer, sollte er doch wenigstens einen guten Maskenbildner haben.
Fazit: Muss man nicht wirklich wissen

Wäre ich „gezwungen“, einen dieser Artikel noch einmal zu lesen, lautete meine Reihenfolge so:

 

Werner Lorants Rangliste:

1

Schmerzdame

Von Else Buschheuer · Süddeutsche Zeitung-Magazin

2

Zwei Arschgeigen in Japan

Von Alard von Kittlitz & Philip Eppelsheim · FAS

3

Nenn mich Papa!

Von Oliver Maria Schmitt · FAS / Rowohlt Berlin

4

Ich bin Tatunca. Punkt.

Von Alexander Smoltczyk · Der Spiegel

5

Blut, Schweiß und Stefan

Von Dirk Gieselmann · 11 FREUNDE