Elend, übel, ungemütlich


In den Sümpfen des Hungers

Was läuft falsch im Osten Afrikas? Warum sind Millionen Menschen kurz davor, vor Hunger zu sterben? Warum lindern Spenden die Not nicht? Mit diesen Fragen ringt Wolfgang Bauer, und mit dieser: Ist James, 9 Jahre alt, bei Erscheinen dieser Geschichte überhaupt noch am Leben?

Wolfgang Bauer · Die Zeit · 30 Minuten


Deutschlands ekligste Pizza 

Was dieser Text sein sollte: Ein witziger Selbstversuch, wie schmeckt Deutschlands ekligste Pizza? Was er geworden ist: Eine überraschende Reflektion übers Scheitern, und über Sensationsgeilheit. Darf man zum Spaß einen Pizzabäcker treten, der so am Boden liegt?

Frederik Seeler · Vice · 10 Minuten


Mein Psycho-Wochenende

„Das ist Bullshit hier!“ Nackte Wut, tiefes Unbehagen, ungezähmte Triebe – „Radical Honesty“ ist der Ausgangspunkt für irrsinnige, spannende Momente. Was passiert, wenn 17 Leute ein Wochenende lang alles aussprechen, was sie denken und fühlen?

Katrin Hummel · FAS · 15 Minuten

 

Wie haben Sie das gemacht?

Für seine Masterarbeit hat Josa Mania-Schlegel Journalisten gefragt: Wie verifiziert ihr Informationen? Hier stellt er uns ihre Antworten in Auszügen vor. Mit dabei: Reporter Christian Fuchs (ZEIT), Kai Biermann (ZEIT Online) und Klaus Ott (SZ).

Klaus Ott: Ergebnisoffene Recherche

Informationen überprüfe ich nach einem üblichen Schema: Aus einem Kreis von Personen oder Organisationen erfahre ich etwas, dann überprüfe ich es bei einer zweiten Quelle. Wichtig ist mir, dass ich in jedem Fall mit der ersten Quelle darüber rede, wie ich ihre Information verwenden kann. Ich sage dann: „Ich brauche eine zweite Quelle, und ich muss mit der von den Vorwürfen betroffenen Organisation X reden, um das zu überprüfen.“ Dann kann die Quelle sagen: Das geht (derzeit) gar nicht, weil ich sonst auffliege. Dann können wir bei der SZ das (derzeit) auch nicht schreiben, weil wir das nicht prüfen konnten. Das kann sich aber ändern, wenn der Kreise der Mitwisser größer und größer wird und die Ausgangsquelle dann außer Gefahr ist.
Es liegt auch meiner Verantwortung als Journalist, in solchen Fällen Quellen vor sich selber zu schützen. Ich habe den Anspruch, wir haben bei der SZ den Anspruch, eine Quelle im Falle einer drohenden Enttarnung nicht ins offene Messer laufen zu lassen.
Ich gehe auch gar nicht mit dem Begriff ran: Ich versuche etwas zu verifizieren. Ich gehe ergebnisoffen ran, lasse mich überraschen, das ist mir wichtig. Ich nenne es auch nicht verifizieren, sondern ordentlich recherchieren. Das heißt für mich: Noch mal ein Häkchen dran machen, noch mal drüber schauen. Im Zweifelsfall noch mal hinterher telefonieren. Wirklich auch das allerletzte Häkchen dran machen.

Kai Biermann: Skepsis als Grundregel

Ich frage mich zuerst, ob meine Informationen überhaupt stimmen können. Bei Akten zum Beispiel ist immer die erste Frage, ob die darin genannten Personen existieren, ob ein Briefkopf, ein Siegel so von den entsprechenden Stellen verwendet wird. Ich frage mich: Kann das, was ich da sehe, überhaupt sein? Natürlich kann auch etwas, das total unglaubwürdig wirkt, echt sein, beispielsweise eine weltweite Überwachung durch die NSA. Daher prüfen wir zuerst alle Umstände um die Behauptung herum.
Im zweiten Schritt überprüfen wir den Inhalt, indem wir Menschen suchen, die etwas darüber wissen müssten oder wissen könnten. Wir fragen bei den entsprechenden Stellen an und wir konfrontieren die entsprechenden Menschen mit den Behauptungen. Fair zu berichten heißt, dass beide Seiten ihre Meinung sagen dürfen.
Meine Grundregel heißt: Skepsis. Ist das wirklich belegt? Ist jeder einzelne Fakt belegt? Wodurch? Wo sind Lücken? Daher werden Geschichten bei uns immer von einem Kollegen redigiert, der genau solche Fragen stellt: Woher weißt Du das hier? Was ist die Quelle für diese Behauptung? Kannst Du das hier auch belegen? Womit?

Christian Fuchs: Zum Experten werden

Bei der Recherche kann ich nicht sagen, an welchem konkreten Punkt sich meine Vermutungen bestätigten. Gute Recherche bedeutet für mich: Den Moment zu erreichen, wenn ich nicht mehr weiß, an welche Tür ich noch klopfen soll.
Auch allgemeingültige Verifizierungspraktiken gibt es in dem Sinne für mich nicht, weil jede Information eine andere Herangehensweise benötigt. Wichtige Knackpunkte, wann eine Information wahr ist, sind für mich: behördliche Quellen, das Zwei-Quellen-Prinzip und der Moment, wenn ich mit allen Leuten, die mir einfallen, zu dem Thema gesprochen habe. Wenn ich etwa irgendwann merke, dass ich mehr weiß als die Experten, mit denen ich spreche. Sobald ich merke, dass ich anfange den Experten zum Thema was zu erzählen — und nicht die mir — kann ich aufhören zu recherchieren.
Ich arbeite dabei nicht inquisitorisch, sondern freundlich. Wenn ich Fakten verifiziere, versuche ich nicht einseitig reinzuhauen, sondern gnädig zu stimmen. Das bedeutet zum Beispiel, dass ich nicht nur drei kritische Zitate zur Autorisierung vorlege, sondern auch 20 positive.