Kieze, Kühe, Kombi fahren


Ins Scheitern verliebt

Zwei Meinungen gibt es zu Berlin: Yeah! Und: Bäh! Und dann gibt es noch diese Liebeserklärung ans Scheitern einer Stadt. Holen Sie die Berliner Weiße aus der Holzschrankwand und lesen sie diesen wirklich letzten Text über Berlin.

Harald Martenstein und Lorenz Maroldt · Zeit-Magazin · 30 Minuten

 


Vergiftete Nachbarschaft

Drei Kühe sind tot. Na und? Die Tiere gehörten Bosniaken. Das Gift scheinbar den serbischen Nachbarn. Auch nach Ratko Mladićs Verurteilung bleibt die Bevölkerung in Bosnien und Herzegowina gespalten.

Erich Rathfelder · taz · 10 Minuten

 


Endlich nicht mehr jung sein

Die Kinder im Kombi von der Disco abholen. Fernsehabende mit Schnapspralinen. Darauf freut sich Dirk Gieselmann. Kurz vor seinem 40. Geburtstag schreibt er auf, warum es viel besser ist alt zu sein, als sich jung zu fühlen.

Dirk Gieselmann · SZ-Magazin · 10 Minuten

 

Meine Lieblingsreportagen  

Sidney Gennies ist Verantwortlicher Redakteur der „Mehr Berlin“-Seiten des Tagesspiegels
und kümmert sich um Reportagen im Ressort „Die Dritte Seite“.

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Wieso kam ihr Liebster nie zurück?, Christine Meffert, Tagesspiegel

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Mami, kannst Du mich loslassen?, Erwin Koch, Welt

Man muss sich Erwin Koch vorstellen, wie er recherchiert, umherläuft, in sein Aufnahmegerät spricht, damit nichts vergessen wird, kein Detail. Wie er die Welt in Einzelteile zerlegt, in Uhrzeiten, Daten, Farben, weil das Ganze manchmal einfach zu groß ist. Wie er seine Protagonisten befragt, beobachtet. Sich den Radiosender notiert, der im Hintergrund läuft, welchen Song der gerade spielt und die Raumnummer. All die Dinge, die scheinbar nicht relevant sind. Nur scheinbar nicht, denn so wie Koch sie wieder neu zusammensetzt, erkennt man plötzlich, meint zu fühlen, was eigentlich nicht zu begreifen ist. Wie das Leiden von Sarah, der mit 14 Jahren Leukämie diagnostiziert wird: „2 West 224, das Eckzimmer. Mami, ich will nicht, dass die Leute an meinem Bett heulen. Und die Mutter weiß, Sarah wird sterben, erzählt es keinem. Wenn Sarah wieder gesund ist, will sie zuerst zwei Katzen und dann nach Amerika.“

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Und vor uns liegt das Glück, Wolfgang Bauer, Zeit-Magazin

Eine solche Geschichte so zu erzählen ist gefährlich, sauteuer – unverantwortlich. Und doch muss sie erzählt werden. Wenn diese vier Voraussetzungen zusammen kommen, ist im deutschsprachigen Raum fast immer Wolfgang Bauer der Autor. 2014 hat er sich als Flüchtling ausgegeben und von Ägypten auf einem Schlepperboot die Überfahrt nach Europa gewagt. Wird verprügelt, verhaftet, entführt. Es ist eine Ich-Geschichte, was heikel ist, denn um ihn geht es nicht. Doch die Perspektive erlaubt in diesem Fall eine bis dahin nicht gekannte Nähe zu den Menschen, die er begleitet. Menschen, die ihrerseits Europa begleiten, erleben, verändern. Leute, die – anders als er – nur die Wahl zwischen Elend und Risiko hatten.