Kinder, Krebs, Konfetti

Hart auf hart

Sie kümmern sich um Kinder, deren Eltern sie missbrauchen. Und Kinder, die ihre Eltern umbringen wollen und ihre Geschwister vergewaltigen: der Krisendienst des Jugendamts. Ein Job, der keine Freude bringt. Aber jemand muss ihn machen.

Karl Grünberg · Tagesspiegel · 30 Minuten

 

18 Kilometer, vier Stunden, zwei Leben

Ahmad hat Leukämie und muss alle zwei Tage vom Westjordanland nach Jerusalem. Noam lebt in Israel und hat ein Auto. Die Geschichte einer schrägen Freundschaft.

Silke Müller · FAS (€) · 15 Minuten

Alternativ auf Blendle lesen

Mit Trumps schwulem Botschafter auf dem Christopher Street Day

Richard Grenell versuchte, einen PR-Artikel über sich zu bestellen: Grenell, der unverkrampfte Hedonist und Trump-Fan. Bloß macht sich der Autor ein völlig anderes Bild, als es sich der US-Diplomat gewünscht hat.

Matern Boeselager · Vice · 15 Minuten

 


Satz der Woche

»Trauer macht verletzlich, lässt die Haut dünner werden, und dünne Haut beim Kriseninterventionsteam geht nicht.«

Karl Grünberg, Tagesspiegel

 

Wie haben Sie das gemacht?

Matern, du schreibst in deinem Text, Richard Grenell, Trump-Fan und erster offener Homosexueller als US-Botschafter, hat dich angerufen, damit Du ihn beim Christopher Street Day in Berlin begleitest. Wie war deine Reaktion?
Ich habe mich natürlich sehr gefreut, das ist ja praktisch schon automatisch die perfekte Überschrift für VICE! Noch mehr habe ich mich gefreut, als er mir erklärt hat, dass ihn ein halbes Dutzend Medien deshalb angefragt haben, er mir das aber unbedingt „exklusiv“ geben wollte. Ich behaupte mal, dass jedem Journalisten bei dem Wort “exklusiv“ automatisch ein bisschen warm wird.

In deiner Reportage beschreibst du, dass Grenell von einem Vice-Journalisten offenbar eine andere Herangehensweise erwartet hatte. Was für eine Geschichte hatte er im Sinn?
Ich habe wirklich keine Ahnung, bis heute nicht. Er hatte mir erklärt, er wolle was „Cooles“ machen und eine andere Zielgruppe erreichen. Ich habe ihn deshalb anfangs absichtlich ein paar seichte Sachen gefragt: Was der CSD für ihn bedeutet, was er jungen Leuten mitgeben will. Aber da kam dann auch nur Trump-Rhetorik oder fast gar nichts zurück. Ich weiß nicht, was er eigentlich wollte. Vielleicht hätte ich ihn nach seinen Lieblingsrestaurants fragen sollen?

Oft ist es leichter, mit Protagonisten zu arbeiten, mit denen man sich versteht und die einem gegenüber offen auftreten. Wie war die Chemie zwischen dir und Grenell?
Anfangs noch ganz gut, aber je mehr wir geredet haben, desto misstrauischer schien er zu werden. Ich habe aber erst gemerkt, dass er offensichtlich nicht mehr reden wollte, als er von der Botschafts-Party einfach abgehauen ist. Kann aber auch sein, dass das mehr an der Party lag.

Du beschreibst eine Situation, in der dich Grenell bewusst anlügt. Wie bist du damit umgegangen?
Wenn die Situation gemeint ist, wo er behauptet, seine Bodyguards wüssten nicht, dass er ein paar Meter mitlaufen will, obwohl er denen das vorher gesagt hatte – das fand ich nicht wirklich schlimm. Das habe ich als harmlose Politiker-Inszenierung aufgefasst. Ich fand eigentlich schlimmer, wie wenig er auf die Kritik an Donald Trumps LBGTQ-Politik eingehen wollte. Er hat einfach immer nur wiederholt, dass man „dem Spin“ nicht glauben soll.

Grenell wirkt auf viele wie eine sehr widersprüchliche Person. Du hast ihn getroffen, wirst du nun aus ihm schlau?
Nein, nicht wirklich. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob er Trump wirklich so bewundert, wie er behauptet, oder ob das alles Opportunismus ist. Ich weiß das bis heute nicht.

Du schreibst die Geschichte aus der Ich-Perspektive. Viele Journalisten haben ein Problem mit dieser Form. Warum machst du es trotzdem?
Also, erstmal ist das für VICE immer schon eine wichtige Perspektive gewesen. Und auf die Gefahr hin, jetzt entweder respektlos zu klingen oder alle VICE-Klischees zu füttern, aber: Ich war nie auf einer Journalistenschule. Ich weiß nicht wirklich, was da als elegant gilt und was nicht. Ich kann verstehen, dass die Ich-Perspektive manchmal nervt, wenn sich jeder für Hunter S. Thompson hält und dann im Endeffekt nur vor die eigentliche Geschichte drängelt. Aber bei der Geschichte ging es ja im Endeffekt um unsere Beziehung, die hätte ich anders gar nicht erzählen können, ohne mich massiv zu verrenken, und das finde ich dann auch albern.

Matern Boeselager ist Redakteur bei Vice. Er schreibt dort vor allem über Politik und Extremismus.