Lügen, lieben, leiden

Ist sie ein echter Dalí?

Pilar Abel sagt, dass Salvador Dalí ihr Vater ist. Sie ging vor Gericht, machte ganz Spanien verrückt, veranlasste Dalís Exhumierung. Und versuchte zu verhindern, dass man die Frau findet, die Klarheit schaffen könnte: ihre Mutter.

Von Amrai Coen · Die Zeit · 30 Minuten

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mit 81 noch mal verliebe“

20 Jahre lang bleibt Hans allein, nach vier Ehen ohne Glück, wird alt, einsam, verzweifelt. Manchmal, wenn er am Abend ins Bett geht, betet er, dass er am Morgen nicht mehr aufwacht. Dann trifft er Anne.

Von Kathrin Werner · ICON/Welt am Sonntag · 15 Minuten

Der Vice-Liveticker zur Bundestagswahl

Deutschland wählt, und man könnte jetzt aus den Wahllokalen berichten und den Zentren der Macht. Oder man macht es von dort, wo die Deutschen gut und gerne leben: Berghain, Reeperbahn, Oktoberfest.

Von Martern Boeselager, Johannes Musial, Tim Geyer · Vice · 15 Minuten

 

Meine Lieblingsreportagen

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Der Heftige, Sven Hillenkamp, Die Zeit

„Jeder, der Birol Ünel liebt, wird von ihm fertig gemacht“, sagt Fatih Akin. Und so geht es auch dem Reporter Sven Hillenkamp. Aber er wollte das ja. Er wollte, so schreibt er, in den Abgrund blicken, diesen mystischen Schauspieler kennenlernen, mit all seinen Dämonen und dem ganzen Wahnsinn.
Aber dann verlor Hillenkamp die Geschichte beinahe, weil sich sein Protagonist partout nicht ans Drehbuch halten wollte. Er erscheint nicht zu Verabredungen, er rennt mitten im Gespräch davon, und er ist betrunken, wenn er doch mal Zeit hat. Hillenkamp thematisiert all das, und gerade das macht diesen Text so lesenswert. Der Blick auf die Entstehungsgeschichte. Das Beschreiben der eigenen Zweifel. Die Frage, ob diese ganze Story überhaupt erzählenswert sei.
Die Reportage ist in Ich-Form geschrieben, aber keine klassische Ich-Reportage, schon eher eine Wir-Reportage. In jedem Fall ist sie eine großartige Liebesgeschichte. Und deswegen kann Hillenkamp, der Reporter, am Ende sogar so einen Satz schreiben: „Ich war verletzt und wütend.“

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Hab ich euch, Roman Deininger, SZ

Mein heimliches Faible: Reportagen aus dem tiefen Süden Deutschlands. Porträts über Männer, die man „Urviecher“ nennt und die Adjektive wie „kernig“ oder „zünftig“ an den Revers ihrer Janker tragen. Texte, die nach Leder und Weißbier und ein bisschen nach Franz Josef Strauß riechen.
Roman Deiningers „Hab ich euch“ hatte mich schon beim ersten Satz: „Eine Geschichte über Markus Söder muss natürlich in einem Bierzelt beginnen.“ Danach: Ein angenehm leises Porträt über einen lauten Mann, der überall und zu allem etwas zu sagen hat. Mit grandiosen Passagen wie diesen: „Söder, der seine knapp zwei Meter immer leicht nach vorne beugt, als könne er die Zukunft gar nicht erwarten, packt sich mit beiden Händen das Pult, er hält Reden, wie andere Leute Ringkämpfe führen.“

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Der Ehrenkapitän, Henning Sußebach, Die Zeit

„Das Leben eines Reporters ist immer noch halbwegs wagemutig“, schrieb Hennig Sußebach mal. Die Kollegen reisten nach Japan oder Pakistan, und zurück kämen sie mit den abenteuerlichsten Geschichten, die man sich vorstellen kann. Sußebach hingegen bleibt meistens in Deutschland, „Die große Welt gleich nebenan“ heißt ein Reportageband von ihm, alles darin ist lesenswert.
Sußebach hat aufrührende und bedrückende Reportagen wie „Die Seeschlacht“ oder „Hoffmanns Blick auf die Welt“ geschrieben. Aber auch leichte Texte wie „Der Ehrenkapitän“. Im Sommer 2011 begibt sich der Autor, nun auch ein bisschen wagemutig, auf Kreuzfahrt von Kiel bis nach St. Petersburg und über Stockholm wieder zurück. Das Highlight der Reise: Der ehemalige HSV-Stürmer Uwe Seeler ist mit an Bord. Sußebach beschreibt behutsam und beinahe beiläufig die Annäherungen zwischen den Ü70-Passagieren und dem Ü70-Stargast, die alle in einer Zeit aufgewachsen sind, als es Stargäste, Themenpakete „Fußball“, Meet&Greets und ähnliches noch nicht gab. Und daher weiß auch niemand so recht, wie das überhaupt geht: Star sein, Fan sein.
„Der Ehrenkapitän“ ist keine schnöde Reisereportage, sondern eine wunderbare Tragikomödie, mit Dialogen und Szenen, die aus einem Woody-Allen-Film sein könnten: „Auf Bornholm, beim Einsteigen in den Reisebus, sagte ein Herr in Anglerweste: ‚Da ist er ja, unser Dicker!’ Vor fast 70 Jahren sei er auf dieselbe Schule gegangen wie Seeler. Aber interessiert das hier jemanden? Als er Uwe Seeler kannte, kannte noch keiner sonst Uwe Seeler. Und Uwe Seeler kennt ihn bis heute nicht. Was soll man da reden? Es ist vertrackt.“


Andreas Bock, geboren 1977 in Hamburg, ist Redakteur und Reporter beim Fußballmagazin 11FREUNDE. Frei schreibt er u.a. für das Dummy-Magazin und Die Zeit.