Angriff, Krieg, Liebe

1-1

2015. Mehrere Wochen lang sind der deutsche Bundestag und die Regierung Angriffen ausgesetzt, die bis in ihr Innerstes dringen. Und nur die Profis nehmen sie wahr. Denn sie geschehen digital…

Merkel und der schicke Bär · Beuth, Biermann, Klingst, Stark · Die Zeit · 30 Minuten

 

2-1

Groß war die Hoffnung, als sich der Südsudan 2011 unabhängig machte. Doch seitdem ist der jüngste Staat der Welt in einen Strudel der Gewalt geschlittert. Vielleicht sogar vollends zerfallen…

Hunger und Gewalt · Jonas Breng · Stern · 20 Minuten

 

3-2

Daniel liebt Ariane. Ariane liebt Daniel. Nur Sex haben sie erst immer seltener, dann gar nicht mehr. Erst Jahre nach der Trennung sprechen sie aus, was passiert, wenn das Begehren stirbt…

Als wir den Sex verloren · Daniel Schulz, Ariane Lemme · taz · 15 Minuten

 

 

Meine Lieblingsreportagen

 
Die Schweiz

Die meisten Reportagen sind mir zu lang. Deswegen lese ich nur selten eine zu Ende. Einige Reportagen lese ich aber dafür alle paar Monate wieder. Diese gehört dazu. Joachim Bessing fährt mit dem Zug durch die Schweiz, er steigt in verschiedenen Städten aus, sucht die beste Bratwurst, einen guten Blick auf die Berge („Vor diesem Panorama sitzen wie sonst vor dem TV“). Wenig passiert, wie immer in den schönsten Ferien. Deswegen ist Zeit für solche Sätze: „Die Fliegen hier oben (1937 m) sind kleiner, aber um so viel hungriger.“ Die Kunst natürlich: so zu schreiben, dass der Leser nach jedem Absatz aufhören könnte, aber nicht will. Dass er sogar immer langsamer liest, um länger was vom Text zu haben. Irgendwann ist die Reportage, die angemessen feierlich zum Schweizer Bundesfeiertag in der NZZ erschien, dann leider doch zu Ende. Zum Trost empfehle ich, weitere Texte auf waahr.de zu lesen, wo auch dieser Artikel zu finden ist. Die Seite ist ein sehr gutes Archiv für literarischen Journalismus.

Joachim Bessing · NZZ am Sonntag · 2002

 

Der beste Bundestagsabgeordnete der Welt

Ich lese gern lustige Texte über Politik. Das Angebot ist überschaubar, wahrscheinlich haben viele Politikjournalisten Angst, nicht mehr ernst genommen zu werden, wenn sie mal was Lustiges schreiben (auf Twitter Böhmermann retweeten ist dann ihr Kompromiss). Naja. Gerade deshalb mag ich diese Reportage meiner Kollegen Frasch und Bingener über ihren Besuch bei dem bayerischen Politiker Ernst Hinsken besonders gern. Schon den Anfang: „Dieser Text ist ein weiterer Erfolg für Ernst Hinsken, den erfolgreichsten Politiker Deutschlands. Auf die Anfrage für ein Interview antwortete der CSU-Bundestagsabgeordnete mit einer E-Mail. Betreff: „Reportage über mich“. Versuche der telefonischen Klarstellung schlugen fehl.“ Und schön halt auch, dass der Text nicht nur gut unterhält, sondern mehr über Politik sagt als manche Zwanzigtausendzeichen-Essays.

Timo Frasch, Reinhard Bingener · FAS · 2013

 

Im Reich des Todes

Diese Reportage wollte ich eigentlich nicht empfehlen. Sie ist keine Lieblingsreportage von mir, ich habe eher Angst vor ihr. Aber als ich gestern darüber nachdachte, an welche Reportagen ich mich erinnere, fiel sie mir sofort ein, und ich las sie noch einmal. Wieder, wie nach dem ersten Mal, träumte ich nachts davon. Um halb sieben stand ich auf, um nicht nochmal einzuschlafen. Michael Obert schreibt über Foltercamps in der Wüste. Menschen werden auf grausamste Weise gequält, ihre Schreie am Telefon Angehörigen vorgespielt, um Geld zu erpressen. Der Schluss ist unfassbar.

Michael Obert · SZ-Magazin · 2013

Wir haben mit Michael Obert übrigens mal über diese Reportage gesprochen. Für den Protagonisten gab es zum Glück ein Happy End. Hier nachlesen…

Friederike Haupt, geboren 1982, ist Politikredakteurin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Sie ist außerdem Gewinnerin des Henry Nonsens-Preis 2017!