Folter, Fllanxa, fort

Tina Hildebrandt und Stefan Willeke in DIE ZEIT über Friedrich Merz und seine Freunde.
Woran man gute
Reportagen erkennt

Pluspunkte
Bewegung. Der Wechsel aus Nahaufnahme (die kleinsten Details) und Herauszoomen (Gedanken, die fürs große Ganze stehen)

Dichte. Entsteht durch Recherche. Und Recherche. Und noch mehr Recherche. Tempo. Entsteht durch Struktur. Und den Wechsel aus kurzen und langen Sätzen.

Gefühl. Reportagen, sollen alle Sinne ansprechen. Also muss ein Autor nicht nur über den schwarzen Mantel schreiben, sondern darüber, wie rau sich der Stoff anfühlt oder dass er nach nassem Hund riecht.

Haltung. Ich will spüren, was ein Autor von seinen Protagonisten oder über das Geschehnis, den Konflikt seiner Geschichte denkt, ohne bevormundet zu werden.

Minuspunkte
Das heikle dritte Drittel: Es gibt Reportagen, die nach einem grandiosem Einstieg lange ihr Tempo halten – und dann kommt es kurz vorm Ende zu einer Art Resterampe: Szenen, Gedanken, Infos, die der Autor wichtig findet, aber nicht mehr die Kraft, ihnen Bedeutung und Tempo zu verleihen.

Wenn es sich die Autoren mit dem Schluss zu einfach machen. Wir reden immer über den ersten Satz, den Einstieg – und viel zu wenig über den Schluss. Auf den letzten Satz sollte alles hinauslaufen. Er klingt, wenn er gut ist, lange nach.

In dieser Woche ausgesucht von Katja Füchsel, verantwortliche Redakteurin beim Tagesspiegel für Die Dritte Seite und Mehr Berlin