Wochenauswahl 20.03.20

Mütterleben

Trotz Frauenquote in Aufsichtsräten. Trotz Vaterkarenz und trotz Kinderbetreuung. Mütter, die im Jahr 2020 eine politische Karriere verfolgen, haben es nach wie vor verdammt schwer. Khuê Phạm begleitete Spitzenpolitikerinnen, die es dennoch geschafft haben. 

Khuê Phạm · ZEIT Magazin · 30 Minuten (€)
 

Idris‘ Albtraum

Früher hatte Idris einen Traum. Er wollte, wie so viele Sudanesen, nach Europa. Heute ist er wieder zurück in der Heimat. Seine missglückte Flucht könnte eine Warnung sein, für all jene, die es noch versuchen wollen. Sie erzählt von Ausbeutung und Folter an der EU-Außengrenze.

Bartholomäus von Laffert · Fluter · 15 Minuten

Wattewelt

Halsweh, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen. Corona-Hotline, dann Warten. Die Labore sind auf Hochbetrieb, die Krankenhäuser überlastet. Außenkontakt meiden! Ausnahmslos.

Julya Rabinowich muss nach einem Italienaufenthalt in Quarantäne. Ein Monolog in und mit der Einsamkeit.

Julya Rabinowich · Republik · 15 Minuten

 Satz der Woche 

»Was den Römern der Versammlungsort Forum war, ist den Püttrologen die Trinkhalle oder der Gartenzaun.« 

Ron Ulrich in „Derby am Gartenzaun“ (11 Freunde)

Wie haben Sie das gemacht?


Jakob Vicari ist Erfinder und Journalist. Er glaubt, dass Bienen die besseren Reporterinnen sind. Wenn er nicht Bienen für den WDR eine Stimme verleiht, macht er Journalismus im Internet der Dinge. Zum Beispiel als Lead Creative Technologist in seinem Start-up tactile.news. Für #bienenlive gewannen er und sein Team den Reporterpreis 2019.

Team: Ali Akinci, Alina Andrazcek, Isabelle Buckow, Joachim Budde, Stefanie Fischer, Thomas Hallet, Anna Heidelberg-Stein, Jannis Konrad, Till Prochaska, Marc Saha, Robert Schäfer, Ole Schleef, Anika Schnücke, Grit Schuster, tvision – Team, Jakob Vicari, Sandra Wahle, Axel Weber, Michael Weidler, Bertram Weiß. 


Es ist kein Zufall, dass wir dieses Interview per Whatsapp führen. Ihr habt für den WDR Bienenköniginnen “live” Whatsapp-Nachrichten schreiben lassen. Hand aufs Herz: Wer von euch war die  🐝?

Die 🐝königin auf Whatsapp war meist unsere fantastische Kollegin Isabelle Buckow. Sie hat einfach das Queen-Gen.


Ihr habt ein Jahr lang die drei 🐝königinnen Ruby, Linda und Cleo begleitet und über sie und ihre Völker berichtet. Herausgekommen sind neben 158 Whatsapp-Nachrichten auch 19 Newsletter, 95 Artikel und 250.000 Datenpunkte. An eurem Projekt waren über 20 JournalistInnen beteiligt, ein Riesenprojekt, ein Fleißprojekt – warum war euch diese Recherche so wichtig?

Bertram und ich sind nicht nur Journalisten, sondern auch Biologen. Von Anfang an war uns klar, dass wir nicht nur über Honigbienen berichten wollen, sondern über das wichtige Thema Insektensterben. Das lag uns am Herzen. Nur haben viele Käfer, Wildbienen und Motten 🐞🦋🐛 gar keine Lobby. Unsere Reporter 🐝 haben deshalb immer wieder andere Insekten zum Interview getroffen. Zum Beispiel eine Köcherfliege.

Wie habt ihr die 🐝-Überwachung technisch überhaupt umgesetzt?

Wir haben Sensoren eingesetzt, um die Bienen zu beobachten: Gewicht, Innentemperatur, Außentemperatur und Wind. Wir haben einen kleinen 🤖 gebaut. Der hat die Daten in ein Tagebuch der 🐝-Königin übersetzt. Dreimal am Tag. 

Die WDR-📽-Technik hat lange getüftelt, wie man Livebilder aus dem Stock übertragen kann – mit Erfolg. Nicht ganz so erfolgreich war leider unser Versuch, einzelne 🐝 mit Sendern auszustatten. Bienenforscher hatten das gemacht, um zu gucken, ob sie wirklich so fleißig sind. Wir haben winzige Chips auf Bienenrücken 🔬geklebt, aber leider nur nur eine handvoll geschafft. Da kamen keine Daten raus 😭. Aber auch das finde ich toll in der Zusammenarbeit mit dem WDR: 👩🏻‍🔬👨🏽‍🔬Wir experimentieren mit neuer Technologie, da geht auch mal etwas schief. 

Ist das eigentlich gefährlich, Bienen so zu verarzten? 

Ich habe vorher einen Imkerkurs gemacht. Und die MitarbeiterInnen haben Imkerhüte bekommen. 

Und die Bienen, die stört die Technik nicht?

Wir haben uns bemüht und zum Beispiel die Kameras extra gekühlt 🥶. So ein Bienenvolk ist sehr temperaturempfindlich🌡. 

Warum habt ihr euch für Whatsapp als Hauptkanal entschieden?

Whatsapp erreicht einfach viele junge Menschen. Und wer bekommt nicht gern eine Whatsapp von der Queen👸🏼?  Viele unserer ZuschauerInnen haben direkt geantwortet. 

Euer Ziel, sagt ihr, war ein Live-Multimedia-Wissensprojekt für junge Menschen. Habt ihr das Ziel, die jungen Menschen, erreicht? 

Wir haben die ZuschauerInnen nicht nach dem Alter gefragt. Aber auf die Whatsapp-Nachrichten von der Bienenkönigin haben wir viele Antworten bekommen. Das waren richtige PowernutzerInnen. Und es haben Schulen aus ganz NRW mitgemacht. Über 100 Klassen! Ich wusste vorher gar nicht, dass es Imker-AGs gibt. 

Das Material eignet sich sicher gut für das Homeschooling, was Deutschland nun bevor steht.

Ja, so ist es gedacht. Wer gerade nicht rausgehen kann, kann bei #bienenlive das Bienenjahr nachlesen. Das ganze Projekt wurde für den Unterricht aufbereitet. Man kann das Bienenjahr dort zurückblättern, zum Beispiel zu dem Moment, wo unsere Königin Thea einfach das Weite gesucht hat. Das war ein Schock: Da schwärmt unsere Hauptdarstellerin einfach aus. Darauf waren wir ehrlich gesagt nicht vorbereitet.

Ihr habt einen riesigen Datensatz gesammelt – was passiert jetzt mit diesen Daten?

Soweit ich weiß nichts. Wir hatten ja großartige 🥼 Begleitung von Dr. Gerhard Liebig. Das ist einer der größten Bienenexperten. Nach ihm ist zum Beispiel die Liebig-Beute benannt.

Du hast ja auch schon mal Kühe intensiv untersucht, was ist eigentlich einfacher?

Vor den Kühen hatte ich mehr Respekt. Die sind einfach sehr groß.

Wie geht es Ruby, Linda und Cleo heute, seid ihr noch “in Kontakt”?

Wir haben eine Whatsapp-Gruppe mit den drei ImkerInnen. Den Königinnen geht’s gut.