Leiten, lesen, lecken

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Henry Nonsens ist ganz aufgeregt. Er darf Euch heute seine vierte Kandidatin für den Sir-Henry-Nonsens-Preis vorstellen:

Kathrin Spoerr!

Sir Henry hat sie auserwählt, weil sie sich todesmutig auf die Berliner Pornomesse XBIZ gewagt hat und einen, nunja, reizenden Text mitgebracht hat.

Das sagt sie zu Ihrer Nominierung:

„Sir Henry, Sie wollen mir Ihren Preis für einen Text verleihen, in dem es um Porno geht? Sie müssen den Verstand verloren haben. Es gibt tausend lustige Themen in der Welt. Niedliche Katzen zum Beispiel. Oder niedliche Fashion-Shows, auf der Typen rumrennen, die sich bescheuert anziehen und damit einen Haufen Geld verdienen. Ich hingegen habe einen Text über Porno, nochmal langsam: über P O R N O geschrieben. So wie Sie aussehen (seltsamer Hut, taillierter Frack, perverser Stock) halte ich zwei Sachen für möglich. 1. dass Sie selbst nebenbei als Pornodarsteller arbeiten, 2. dass Sie nicht wissen, was Porno ist. Ich erkläre es Ihnen zur Sicherheit: Porno ist eine Branche, in der Leute mit ihren Geschlechtsteilen Sachen machen, die sie vor ihren Kindern geheim halten. Porno ist unanständig, widerlich, asozial und wird von 70 Prozent der Männer und von 30 Prozent der Frauen regelmäßig konsumiert. Porno ist igitt. Dafür der Henry Nonsens Preis? Sie trauen sich eh nicht.“

 

Sir Henry erwehrt sich gegen die Anschuldigung, einen „perversen“ Stock zu tragen, und zieht sich errötet auf seine Schlafgemächer zurück – wir schalten schnell zur Wochenauswahl.

Wir fühlen beim Lesen genau so stark wie beim Erleben. Das ist doch Wahnsinn. Was genau passiert in unserem Kopf, wenn wir lesen? Und gibt es eine geheime Formel, wie Geschriebenes wirkt? Nach der Lektüre dieses Textes bin ich mir sicher, dass Bücher doch nicht so bald aussterben werden.

Daniel Puntas Bernet · NZZ Folio · 15 Minuten


Lebensgefühl mit Sahne

Dario Fontanella hatte im Skiurlaub ein Dessert gegessen, was ihm nicht mehr aus dem Kopf ging: Esskastanien, durch eine Kartoffelpresse gedrückt. Zurück in Mannheim kaufte er eine Spätzlepresse, drückte einen Batzen Vanilleeis hindurch, und erfand: Das Spaghetti-Eis.

Martin Zips · Süddeutsche Zeitung · 10 Minuten


 Satz der Woche 
»Manchmal reichen ein paar Schritte, damit sich die Perspektive ändert. Ich wurde ein Mann, der sein Kind trug. Je länger ich es trug, desto leichter fiel es mir.«
Rudi Novotny in seinem Essay für die Zeit: Die beste Zeit, ein Mann zu sein