Juliane Schiemenz gewinnt den Henry Nonsens Preis 2018

Werft die Clowns in die Luft, schnappt eure roten Nasen, holt die Löwen aus dem Käfig und lauft mit ihnen aufgeregt Kreise um die Manege: Es ist entschieden!

Der Henry Nonsens Preis 2018
für absurde Reportage geht an:

Juliane Schiemenz
für »Der härteste Baum von Berlin«
aus dem Tagesspiegel

 

Wir gratulieren herzlich!

Das sagt die Gewinnerin:

»Ich freue mich sehr über den Henry-Nonsens-Preis! Für mich ist es ein großes Lob, dass Dinge, die ich lustig und absurd finde, nicht nur in meinem Kopf lustig und absurd sind, sondern auch anderen Menschen Vergnügen bereiten können. Das beruhigt mich auch ungemein im Bezug auf den Gesamtzustand meines Kopfes. Als ich von meiner Nominierung erfuhr, befand ich mich gerade auf einer Recherche in Gambia und wollte vor Freude glatt einen Baobab-Baum umarmen! Da dieser Baum einen Stammumfang von etwa fünf Metern hatte, beließ ich es jedoch bei einem freundlichen Tätscheln auf seine durchfurchte Rinde. Mittlerweile sehe ich „meinen“ Baum auf der Warschauer Straße in Berlin nur noch selten, da ich weggezogen bin, aber er hält sich wacker. Ab und an senden mir Leser und Journalistenkollegen Fotos von ihm und richten Grüße aus. Bald wird er wieder blühen und einen auf singendes, klingendes Märchenbäumchen machen. Ich kann jedem empfehlen, ihn im Frühling einmal zu besuchen. Er lässt sich auch leichter umarmen als ein Baobab!«

 

Die Jury über »Der härteste Baum von Berlin«

»Es gibt keine blöderen Protagonisten als Bäume. Stehen nur rum und reden nicht. Den Berliner Baum, den Juliane Schiemenz beschreibt, liebt man am Ende trotzdem so sehr wie die eigenen Kinder. Und der fünfte Absatz, die Beschreibung des spiralförmigen Wuchses, als hätte sich der Baum im Friedrichshain „einmal komplett um sich selbst gedreht, damit er sich den ganzen Wahnsinn in Ruhe angucken kann. Vielleicht hat er aber auch versucht, den Kopf abzuwenden, bis irgendwann der Dreck in jeder Himmelsrichtung zu sehen war“ … leb Wohl, Wohlleben!«
– Henning Sußebach, ZEIT-Reporter

»Baumstorys mag ich – egal, ob im Wald oder in Berlin.«
– Ben, 9 Jahre alt, Sohn eines Zirkusdirektors

»Fast 10 Jahre habe ich in Berlin gelebt und noch immer vermisse ich es. Der Text ist ein Sinnbild für Berlin, das sich jedes Frühjahr erhebt aus festgefrorenen Silvesterresten und Hundedreck. Bald fahre ich nach Berlin. Da werde ich den Baum besuchen, ihn ein wenig kraulen und ihm von seinen Artgenossen aus meinem Münchner Hinterhof erzählen – vielleicht trägt er bis dahin wieder sein weißes Blütenkleid.«
– Clownin Christine, die für uns das Video zum Text drehte

»Da kann man richtig Gedanken lesen: Der Baum ist groß und stark und er ist MEINER. Der Clown freut sich so über diesen tollen Besitz, da kann ich mich nur mit ihm freuen.«

– Anna Maleen, 12 und Zirkus-Expertin, über das Video zum Text

 

 

Eine schöne, absurde Woche wünscht,

Euer Reportagen.fm-Team