Gehen, Bleiben, Abheben


Der Staatsfeind

Yussef O. ist Deutschlands berüchtigtster Asylbewerber, als er im April 2018 aus Ellwangen nach Italien abgeschoben wird. Autor Henning Sußebach sitzt mit ihm im Flieger und begleitet ihn in den Tagen darauf, auf einer Reise, die immer zielloser wird.

Henning Sußebach · Die Zeit · 25 Minuten


Papa, bin ich schön?
Herr Mahor hat ihnen fast alles genommen, die Gesichter, die Würde, einen geliebten Menschen. Vor Jahren hat er seine Familie mit Schwefelsäure angegriffen. Trotzdem ist sie bei ihm geblieben. Warum?

Jonas Breng · Stern · 20 Minuten


Der Familientrip

Das Risotto roch nach Liebe, nach Zwiebeln, Knoblauch, Salbei. Wäre bloß echter Salbei drin gewesen, und nicht die stärkste natürliche Droge der Welt, dann wäre aus einem gemütlichen Familienabend kein psychedelischer Trip geworden. So aber….

Patrick Bauer · SZ-Magazin · 15 Minuten

Alternativ auf Blendle lesen

 


 Satz der Woche

»Der Abend, an dem ich mit meiner Tochter die stärkste Droge der Welt probierte, war sonnig und leicht, und ich hatte schon einen kleinen Weißweinschwips, als ich merkte, dass etwas nicht stimmte.«

Patrick Bauer in seinem Text „Der Familientrip“ im SZ-Magazin

 


Woran man gute Reportagen erkennt

Ausgewählt von Ron Ulrich (11FREUNDE)

 

Minuspunkt

Wenn der Text durch banale Überschriften oder letzte Sätze zerstört wird.

Bei Überschriften: bis aufs Mark ausgezehrte Anlehnungen an Filme oder „Lieder“ wie „Ziemlich beste xxx“, „Das xxx der anderen“, „Liebesgrüße aus xxx“, „Atemlos durch xxx“, „An Tagen wie diesen“ (ausgenommen und immer erwünscht alle Referenzen an Filme von Anders Thomas Jensen und Tocotronic-Songs von den ersten drei Alben!)

Bei letzten Sätzen: absolute Nullaussagen wie „Bleibt zu hoffen, dass …“ , „Aber das ist eine andere Geschichte“, „Das wird die Zukunft zeigen“ oder „Es bleibt also spannend.“

 

Pluspunkt

Wenn Reporter es schaffen, nach all der langen Recherche noch einmal zwei Schritte zurück zu treten und mit Abstand auf das Thema oder die Personen zu blicken. Und ihnen dann wunderschöne, präzise Beschreibungen in kurzen Passagen oder One-Linern gelingen:

Nicola Abé im Text „Gefangen in Freiheit“:

Die schwere Eisentür werden sie hinter ihm zuschließen. Raymond wird auf sein Bett fallen und erleichtert sein. Er wird sich frei fühlen. Sie werden ihn bewachen. Er muss nicht selbst sein Wächter sein.

Stefan Willeke über Maxim Biller („Der Unzumutbare“):

Er könnte es sich so einfach machen, aber er macht es sich so schwer. Wäre er ein bisschen konzilianter, ein bisschen weniger stur, dann könnte er dank seines Wortwitzes und seiner Klugheit ein gern gesehener Autor sein, um den sich Fernsehsender reißen. Aber er ist bereit, sich selbst zu schaden, nur um seine Unabhängigkeit zu dokumentieren.