Pogrom, Putzen, Putten


„Ich wollte mehr sehen als das brennende Haus“

Inzwischen lernen Flüchtlinge aus Syrien hier Deutsch, aber in der Kneipe zeigen sie nach ein paar Bier den Hitlergruß. Rostock-Lichtenhagen bleibt ein schwieriger Ort, auch 25 Jahre nach den Krawallen…

Christoph Dorner · GEO · 30 Minuten


Made in Heaven – Die Geschichte einer großen Liebe 

Alles begann an der Theke. „Ich suche eine neue Frau“, sagte Frank. Am nächsten Tag zog er bei Inge ein. Sie putzen zusammen das Klo einer Diskothek und gaben einander, was sie vorher nur selten hatten: Halt und Liebe. 38 Jahre lang…

Nora Gantenbrink · Stern· 20 Minuten


Der Wahnsinn von Neviges

„Never meet your idols“, lautet ein Ratschlag, der angeblich zu einem glücklicheren Leben beitragen soll. Klas Libuda hat ihn ignoriert und den Roger Federer des Minigolf zum Duell herausgefordert…

Klas Libuda · Rheinische Post · 7 Minuten

 

Wie haben Sie das gemacht?

 

Frederik Seeler, du bist ausgezogen, um für VICE „Deutschlands vielleicht ekligste Pizza“ zu kosten und darüber zu schreiben. Wann hast du entschieden, dass dein Text anders werden muss als geplant?

Als ich vor dem verschlossenen Laden stand, die Lieferdienst-Nummer wählte und zum ersten Mal die Stimme des Pizzabäckers am Telefon hörte – da ist mir erst richtig bewusst geworden, dass hinter der Meldung von der Ekel-Pizza ein Mensch steht. Mir wurde bewusst, wie euphorisch blind ich in dieses schwäbische Kaff gereist bin und wie wenige Gedanken ich mir vorher gemacht habe. Da war klar, dass ich nicht einfach nur über die Pizza schreiben kann.

Mein erster Entwurf des Textes war furchtbar. Ich habe zwar über meine Zweifel geschrieben, aber weiter am Gerüst des „Ekel-Tests“ festgehalten. Vielleicht auch, um zu verstecken, dass ich davongerannt bin, als ich Gewissensbisse bekam. Es war dann eine Kollegin, die mir riet, den Pizzabäcker nochmal anzurufen.

Du warst Praktikant, als du den Pizzatext geschrieben hast. Was sollte man tun, wenn man merkt: Ich habe einen Auftrag bekommen, den ich nicht erfüllen möchte?

Das Thema habe ich selbst in der Konferenz vorgeschlagen, ich wollte den Auftrag unbedingt. Ich kann also nur den Rat geben, besser nachzudenken, bevor man sich auf eine solche Geschichte einlässt.

Wie hat die Redaktion reagiert, als du gesagt hast, dass du den Text so, wie er gedacht war, nicht liefern wirst?

Viele Leser haben meinen Text als Kritik gegenüber VICE verstanden. Dabei war es die Redaktion, die mich dazu ermutigt hat, meinen Konflikt genau so aufzuschreiben. Wenn der Text etwas kritisiert, dann den Sensationsjournalismus an sich.

Nachdem wir deinen Text in unserer Wochenauswahl empfohlen hatten, haben einige Leser ihn scharf kritisiert. Dir wurde Überheblichkeit vorgeworfen, du habest die Geschichte verfehlt, hättest dem Mann mehr Raum geben sollen, anstatt über deine eigenen Gefühle zu reden. Wie stehst du zu dieser Kritik?

Klar ist es berechtigt zu fragen, warum ich mich nicht voll auf den Mann konzentriert und eine klassische Sozial-Reportage daraus gemacht habe. Aber das war für mich nicht die ehrliche Geschichte; in dem Fall hat mich das Verhältnis zwischen Journalist und Protagonist stärker beschäftigt. Ich glaube, dass viele Journalisten zu Terminen gehen, Menschen porträtieren und dabei denken: Was passiert mit der Person, nachdem ich über sie geschrieben habe? Was passiert, wenn ich etwas Schlechtes schreibe? Und doch vergessen wir diese Verantwortung manchmal, weil wir nur die Geschichte sehen. Für solche Gedanken ist in Reportagen normalerweise aber kein Platz.

Der einzige Kritikpunkt, den ich vollkommen teile, ist, dass so ein Meta-Konflikt wirklich nur andere Journalisten interessiert.

Weißt du denn, wie es dem Pizzabäcker seither ergangen ist?

Ich habe seit unserem letzten Telefonat noch nicht wieder von ihm gehört. Auf Facebook haben Leser den Fernsehkoch und Gastronomiecoach Frank Rosin in den Kommentaren verlinkt, aber ohne Antwort. Ein Grafikdesigner bot an, die Speisekarte neu zu entwerfen. Ob das wirklich hilft, weiß ich nicht. Ich hatte am Ende eher das Gefühl, dass der Pizzabäcker das Geschäft verkaufen möchte, um seine Schulden zu bezahlen. Das ist vielleicht nicht das Happy-End, das man sich wünscht, aber vielleicht ermöglicht es ihm einen Neustart.

Frederik Seeler arbeitet als freier Journalist in Hamburg. Zur Zeit besucht er die Henri-Nannen-Schule.