Polizisten, Pappeln, Provinz


Die Melancholie der Killercops

»Anklopfen und Nachfragen« nennen sie es, aber in Wirklichkeit ist es Aufsuchen und Töten. Nino Cerrado ist Offizier in Manilas Anti-Drogen-Einheit. Präsident Duterte hat Menschen wie ihn zu Henkern gemacht.

Benedict Wermter · Republik · 30 Minuten


Ein Baum wie ein Mann

Als Paul Rodgers das erste Mal durch das vielleicht größte und schwerste Lebewesen der Erde geht, ist es, als betrete er eine Stadt mit einer sagenhaften Geschichte. Doch Pando, eine riesige Pappel-Kolonie in Utah, steht vor dem Ende. Und nur Rogers kann sie retten.

Patrick Bauer · SZ-Magazin · 15 Minuten


Einer gegen alle

Wenn Pawelzik die Hand hebt, und das macht er häufig, sagen die Blicke der anderen: Der schon wieder. Pawelzik, Grünen-Politiker, sitzt seit rund 20 Jahren im Stadtrat von Diepholz, die meiste Zeit verlassen und vergebens. Warum tut er sich das an?

Dirk Gieselmann · Greenpeace Magazin · 20 Minuten


 Satz der Woche 

»Frauen, die Männer studiert und begriffen haben, ist nichts Menschliches fremd.«

Else Buschheuer, SZ-Magazin

 

Emilia Smechowski, du hast einen Selbstversuch gegen Sexismus im Alltag gemacht. In deinem Text erzählst du von sehr persönlichen Erfahrungen. Unter anderem, wie ein Kollege dir einmal seine Zunge in den Mund geschoben hat. Wie fühlt es sich an, das aufzuschreiben?

Viele glauben ja, dass das Aufschreiben solch intimer Dinge irgendetwas Therapeutisches haben muss. Bei mir nicht. Das Treffen mit dem Ex-Kollegen war natürlich aufregend, ich war schon nervös. Aber das Schreiben danach hatte nichts Befreiendes, es ist eben doch Handwerk. Was nehme ich rein von dem, was er gesagt hat, wo ziehe ich eine Grenze, wie schütze ich ihn, und wie fügt sich seine Passage in den Gesamttext?

Hast du den Menschen, die du konfrontiert hast, von deiner Recherche erzählt?

Das kam darauf an. War ein Gespräch geplant, habe ich natürlich gesagt, wofür ich das verwenden werde, gegenüber dem Ex-Kollegen natürlich, dem Bekannten, der Freundin und beim Pärchen-Abendessen. Bei den spontanen Begegnungen im Alltag war das anders, diese Szenen sollten ja möglichst echt und ungeplant sein. Begegnungen zwischen Mann und Frau und nicht zwischen Protagonist und Journalistin. Und ich wusste ja, alle Personen im Text werden anonym sein, deshalb habe ich in diesen Momenten nichts gesagt.

Dein Text geht um das Reden, er endet im Schweigen. Warum hast Du diesen Schluss gewählt?

Es war tatsächlich der Schluss, die letzte Begegnung. Persönlich war diese Autobahnfahrt ein wirklicher Scheißmoment, aber professionell gesehen eigentlich ein Segen. Joan Didion, die mal eine Szene mit einem Fünfjährigen auf LSD beobachtete, wurde gefragt, wie das für sie war, und sie sagte: „Nun… es war Gold.“ Das ist extrem, klar, aber ich verstehe, was sie meint. Ich hatte während der Autobahnszene schon Angst, war aber auch froh, dass was passiert. Und dass am Ende auch nicht jedes Gespräch geglückt ist. „Redenwollen“ heißt ja nicht automatisch „Redenmüssen“. Es brüllt halt auch mal einer – und der andere schweigt.

Wie hat sich dein Umgang mit Sexismus seit der Recherche verändert, sprichst du weiterhin alles an?

Ja, im Moment, noch! Mal schauen, wie lang das anhält. Aber ich habe schon festgestellt, dass dieses Ignorieren und Weghören in solchen Situationen etwas Toxisches hat, weil der blöde Spruch, die blöde Anmache bei einem landet und dort auch bleibt. Es gibt auch Momente, in denen ich nur genervt bin und einfach weitergehe, klar. Aber grundsätzlich bin ich kämpferischer geworden. Und das Thema #MeToo ist ja nach wie vor da und geht nicht weg. Gut so.

Emilia Smechowski arbeite als freie Reporterin für die Süddeutsche Zeitung und die ZEIT. Sie wurde u.a. mit dem Deutschen Reporterpreis ausgezeichnet.