Schneller, higher, Thailänder

Die Entdeckung der Schnelligkeit

Es ist ein Abend im August 2009, als in Berlin ein Mann so schnell rennt wie kein anderer zuvor. 100 Meter, 9,58 Sekunden. Alle fragen: Ist Usain Bolt von dieser Welt? Eine Suche nach Antworten.

Von Christof Gertsch und Mikael Krogerus · Das Magazin · 50 Minuten

Jedes Gramm tötet

Bevor Koks seine letzte Etappe durch die Nase antritt, war es in Südamerika, reiste durch Mali und auf Schiffen über das Mittelmeer. Entlang der Route zerbröckeln Staaten – und Zehntausende sterben.

Von Thomas Fischermann und Angela Köckritz · Die Zeit · 30 Minuten

Ein Wochenende auf der Anarcho-Wiese

In thailändischer Sprache verbieten Schilder im Berliner Preußenpark: Kochen, Garen, Kühlboxen, Verkauf von Waren. Regelmäßig kommen Thailänder her. Und kochen, garen, kühlen und verkaufen Waren.

Von Alexander Langer · Tagesspiegel · 15 Minuten

Meine Lieblingsreportagen

Neon-Redakteurin Nora Reinhardt verrät uns ihre Favoriten

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Alles oder nichts · Ann-Kathrin Eckardt · Süddeutsche Zeitung · 2017 

Ann-Kathrin Eckardt ist ein Phänomen. Egal, ob sie über die Erfahrung mit ihren zwei irakischen Flüchtlingsfamilien schreibt oder wie hier mit einem Mann spricht, der als Herzchirurg zwei Mal täglich Kinderherzen operiert: Sie tönt nicht, sie sondert keine breitbeinigen Phrasen ab. Sie geht den Dingen wirklich auf den Grund. Wie ein Kripokommissar, dem jemand eine Tat anvertraut, die er nicht mal seiner Mutter erzählen würde, schafft es Eckardt immer, das Wahrhaftige zu Tage zu fördern. Ungeschönt, oft schmerzhaft. Wie fühlt sich der Chirurg, der im Krisengebiet entscheiden muss, welchem Kind er eine OP gönnt und welchem nicht? Wie hält man die Grausamkeit aus, Eltern den Tod ihres Kindes beibringen zu müssen? Man erfährt es in diesem Text wirklich. Der Herzchirurg erzählt Ann-Kathrin Eckardt sogar von seiner größten Niederlage. Wenn Menschen einem so vertrauen, dass sie einem erlauben, ihre menschlichen Tiefpunkte zu publizieren, dann ist man eine Reporterin der Königsklasse.   

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Jung, geflohen, arbeitslos · Nicola Meier · Die Zeit · 2016

Ein Schneider, 30, aus Syrien floh nach Deutschland und sucht nun dringend Arbeit. Es klappt nicht. Wieso? Und wie lang wird Emad Sadka es noch versuchen, ehe er sich hängen lässt? Während man den Text liest, hört man beinahe die Uhr ticken. Man spürt: Lange kann es nicht mehr dauern, ehe der Elan erlischt, ehe die Rückschläge ihn zermürben und die Lethargie des Heims ihn runterzieht. Das ist dramaturgisch erstklassig. Und der Text kommt gänzlich ohne Gefühlsgedusel aus. Dafür ist er witzig: Etwa, wenn Sadka „die Longbluse: ein Universalgenie“ aus einem alten Burda-Heft näht oder immer zu früh kommt, wie es ihm die Deutschlandbroschüre geraten hat.

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Meer vom Leben · Margherita Bettoni · Süddeutsche Zeitung Magazin · 2016

Jeder, der schonmal mit seinem Schulenglisch eine berufliche E-Mail verschickt hat, kann sich vorstellen, wie schwer es sein muss, einen journalistischen Text in einer Fremdsprache zu schreiben. Margherita Bettoni ist Italienerin und kann das – so gut, dass ihre Texte bisweilen besser sind als Reportagen von Muttersprachlern; „Meer vom Leben“ schaffte es auf die Longlist des Henri-Nannen-Preises. Aber die Geschichte über zwölf italienische Ladys zwischen 70 und 86, die zum ersten Mal das Meer sehen wollen ist vermutlich das heiterste Soziogramms eines Bergdorfes, das man je gelesen hat. Es gibt die Missgünstigen, die Hilfsbereiten – wie den emsigen Enkel, der das Geld übers Internet auftreibt –, es gibt die Sturen, die Nachgiebigen und natürlich die alten Machos. Und es gibt den Bus, der am Ende mit überraschender Besetzung zum Meer fährt. Wann wird die Reportage verfilmt? Hat Hollywood schon angerufen? Wieso nicht?

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Nora Reinhardt ist Redakteurin beim Neon Magazin. Für ihre Reportagen wurde sie unter anderem mit dem Axel-Springer-Preis ausgezeichnet.