Wochenauswahl 01.11.2019

 


Meine Lieblingsreportagen


Francesco Giammarco lernte an der Deutschen Journalistenschule und ist Redakteur im Ressort Z der Wochenzeitung Die Zeit. 

Reporter träumen ja immer davon, ganz viel Zeit für ihre Recherchen zu haben. Ich hingegen empfinde große Liebe für die schnelle Tageszeitungsreportage, die genau zum richtigen Zeitpunkt rauskommt und einen das aktuelle Geschehen, die handelnden Personen, besser verstehen lässt. Die Idealform dieser Art von Text ist dieses Porträt über Louis van Gaal, der war damals Trainer eines kleinen familiären Fußballvereins aus München, dem ich anhänge. Und er war ein verdammt komischer Typ. Der ganze Text basiert praktisch nur auf einem Treffen, bei dem Van Gaal eigentlich nur rumsaß und Kaffee trank. Aber hinterher hat man diesen Mann einfach so viel besser verstanden.

Hier muss man auf jeden Fall einen Text von Friederike Haupt bringen, weil Friederike Haupt einfach ganz generell die Beste ist. Ich kenne niemanden, der schreibt wie sie. Es gab eine Zeit, da lobte der damalige Berlin-Büro-Chef des Spiegels auf Twitter immer ihre Texte, was mich total wütend machte, weil gleichzeitig in seinem eigenen Blatt, in seinem eigenen Ressort, die immer gleichen langweiligen Politik-Reportagen standen. Ihr Text „Martin!“ über den Versuch, in den Schulz-Rausch zu kommen, wird für mich immer die einzig wahre Schulz-Story bleiben. Ein Bonus an dem Text: Henry-Nonsens-prämiert.

Das hier ist meine obligatorische prätentiöse Einrichtung. Ein englischer Text. Von Michael Lewis. Aus dem Jahr 1993. Michael Lewis, der später „Moneyball“ und „The Big Short“ schreiben wird, besucht die berühmteste Journalistenschule der Welt, die Columbia School of Journalism, und  kommt zu dem Schluss, dass Journalistenschulen Schrott sind. Was ich (Journalistenschüler) lustig finde.