Wochenauswahl 13.09.2019

 

 


Meine Lieblingsreportagen  

Der Journalist und Autor Klaus Brinkbäumer verrät uns seine Favoriten

Die Schwierigkeit liegt in der Begrenzung. Es sind so viele große Texte. So viele auch, die ich mehrfach gelesen habe, weil ich sie (als ich jung war) verstehen und kopieren wollte. 

Eine Liste von 20 Autorinnen und Autoren würde ich begeistert erstellen. 20 Texte, das ginge auch noch. Drei Texte aber, das schließt nun Scherer und Leinemann aus, sogar Talese und Foster Wallace, so grausam ist das Dasein.

Drei Reportagen also:

„The White Album“, die kalifornische Geisterbeschwörung, von Joan Didion (1979)

Wegen des ersten Satzes: „We tell ourselves stories in order to live.“ Und wegen jedes Wortes, das folgt. 

„Der Mensch Paul“ von Erwin Koch, erschienen in „Das Magazin“ (1995)

Weil ich durch diese Geschichte verstanden habe, welche Welten Reportagen eröffnen können. 

„Offensive play“ von Malcolm Gladwell, erschienen im New Yorker (2009)

Weil Texte, die mich durch Überraschung begeistern, Ebenen miteinander verbinden, die halt nur scheinbar nichts miteinander zu tun haben. 

Klaus Brinkbäumer war Chefredakteur des SPIEGEL, gewann den Egon-Erwin-Kisch-Preis, den Henri-Nannen-Preis und den Deutschen Reporterpreis. Heute schreibt er für die ZEIT, vor allem aus den USA, und ist als Filmemacher und Buchautor tätig.